Günter Faltin beschreibt in einer für einen deutschen Professor angenehm leicht lesbaren und verständlichen Sprache wie eine Existenzgründung fernab der landläufigen Annahmen funktionieren kann.
Er zeigt wie ein Unternehmen als kreative Kombination existierender Dienstleistungen mit wenig eigenem Kapitalaufwand und ohne 14 Stunden Tag entstehen kann - ein Denkansatz den auch Tim Ferris in seiner “Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben” darlegt.
Im Gegensatz zu Ferris, der seinen Schwerpunkt aber auf das Marketing vor der Entwicklung setzt, konzentriert sich Faltin auf die Entwicklung der Idee und der dazugehörigen Methodik.
Während viele Businessratgeber die entwickelte Geschäftsidee vorraussetzen zeigt Faltin sehr anschaulich an Beispielen wie ein Einfall systematisch und konsequent über längere Zeit zu einer Geschäftsidee und später zu einen ausgereiften ‘Entrepreneurial Design’ - seine Alternative zum Businessplan - weiterentwickelt werden kann.
“Es ist keinesfalls ein Einfall oder eine Idee, die ein gutes Entrapreneurial Design ausmacht. Es steckt systematische Arbeit dahinter, je mehr, desto besser.” (S.136, 8.1.1.)
Sehr authentisch wirkt das Buch durch die Schilderung der eigenen Erfahrungen aus Projekten wie der Teekampagne, aber auch durch die unbeschönigte Darstellung von Sackgassen (z.B. Kapitel 8.5. Die Flaschenbaustein-Idee).
Sehr umfangreich schildert Faltin die Methode “Funktion statt Konvention” - das respektlose Hinterfragen gegebener Strukturen und Neuerfinden von Leistungen mit der heutigen Technik. Diese habe zu seiner Teekampange und etlicher ähnlicher Geschäftsideen geführt hat. Es geht ein wenig unter, dass dies nur ein mögliche Weg ist eine originielle Idee zu entwickeln. Ausgleichend wirkt, dass diese Methode dafür sehr umsetzbar vermittelt wird.
Der Autor schreibt über weite Strecken sehr konstuktiv und positiv formuliert, doch viel Zeit wird darauf verwendet zu beschreiben wie die Dinge nicht sein sollen und was Denkansätze, die er nicht teilt, fordern und machen. Ich denke dies könnte kürzer gefasst sein, nimmt einem aber nicht den Spaß am Lesen.
Bemerkenswert ist die konsequente Kritik am ‘Gewinnmaximierungs-Prinzip’ zu dem der Autor auch durchaus Alternativen anbietet. Das Faltin den Wünschen, Vorlieben und Werten des Gründers einen hohen Stellenwert einräumt und deutlich auch nach den ‘Sinn’ einer Gründung über den Gewinn hinaus fragt, ist ein Ansatz den man in der “Businessplan Literatur” lange suchen muss.
“Es geht mir also darum, herauszufinden, was den Gründer bewegt und was hinter seiner Ausgangsidee liegt.” (S. 136, 8.1.1.)
“Sinn entsteht nicht aus ökonomischen Prinzipien. Der Profit hilft dem Sinn nachzugehen, nicht umgekehrt.” (S. 170, Kapitel 9)
“Profite - ja oder nein - das bringt uns nicht weiter. Wir müssen uns schon eingehender mit der Motivation des Handelnden beschäftigen.” (S. 176, 9.3)
Alles in allem ein sehr lesenswertes und unterhaltsames Buch mit vielen originären Ideen.
Buch Homepage: Kopf schlägt Kapital




